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Was Sie zum The­ma Grund­buch wis­sen müs­sen — Teil 1: Scheidung

Jeder der eine Immo­bi­lie besitzt, muss im Grund­buch ein­ge­tra­gen sein. Aller­dings wis­sen die wenigs­ten Haus­ei­gen­tü­mer, war­um die Ein­trä­ge so wich­tig sind. Fehl­in­for­ma­tio­nen kön­nen näm­lich ver­hee­ren­de Fol­gen nach sich zie­hen. Daher ist es wich­tig die­se zu ver­ste­hen und rich­tig zu nut­zen um spä­ter kei­ne bösen Über­ra­schun­gen zu erle­ben. In unse­rer 3‑teiligen Serie zum Grund­buch­aus­zug, haben wir alles Wis­sens­wer­te für Sie zusammengefasst.

Johan­na Böhnke

Fol­gen­des Sze­na­rio: Ein frisch ver­hei­ra­te­tes Pär­chen kauft sich eine Eigen­tums­im­mo­bi­lie. Laut Gesetz müs­sen sich die neu­en Eigen­tü­mer nach der nota­ri­el­len Beur­kun­dung vom Kauf­ver­trag auch in das Grund­buch ein­tra­gen las­sen. Doch wer gilt eigent­lich bei einem Ehe­paar als Haus­be­sit­zer? Spä­tes­tens im Fal­le einer Schei­dung wird die­se Ein­tra­gung näm­lich bedeu­tend. Anwäl­te emp­feh­len grund­sätz­lich, dass sich bei­de Part­ner als Eigen­tü­mer ein­tra­gen lassen.

Dabei bedeu­tet die gemein­sa­me Ein­tra­gung nicht immer eine 50/50-Ver­tei­lung des Eigen­tums. In unse­rem Sze­na­rio hat die Ehe­frau gera­de eine hohe Sum­me von ihren Groß­el­tern geerbt, die zu gro­ßen Tei­len zur Finan­zie­rung des Hau­ses genutzt wird. Ihr Ehe­mann betei­ligt sich ledig­lich mit einem klei­nen Bei­trag. Die bei­den ent­schei­den sich trotz­dem dafür, zu glei­chen Tei­len als Besit­zer ins Grund­buch ein­ge­tra­gen zu wer­den. Dass sie sich jemals schei­den las­sen, hal­ten sie zu die­sem Zeit­punkt für unmöglich.

Die Schei­dung

12 Jah­re spä­ter ist es dann doch so weit. Die Ehe kri­selt und es kommt zur Schei­dung. Die Ehe­frau möch­te zusam­men mit der gemein­sa­men Toch­ter im Eigen­heim woh­nen blei­ben und die­ses über­neh­men. Ihr Ex-Part­ner soll als Besit­zer aus dem Grund­buch aus­ge­tra­gen wer­den. Obwohl Sie beim Kauf des Hau­ses mehr gezahlt hat, ste­hen ihm nun 50 Pro­zent des Haus­wer­tes zu.

Die Über­tra­gung

Um den aktu­el­len Wert des Hau­ses zu ermit­teln, beauf­tra­gen die bei­den einen Gut­ach­ter. Der stellt fest, dass der Haus­wert mitt­ler­wei­le gestie­gen ist. Der Wert­aus­gleich, den die Frau ihrem Ex-Part­ner zah­len muss ist dem­entspre­chend hoch. Für die Ehe­frau ist das sehr ärger­lich. Sie bereut beim Haus­kauf nicht auf unter­schied­li­che Eigen­tums­ver­hält­nis­se bestan­den zu haben.

Eine 2/3‑tel Lösung wäre für sie am güns­tigs­ten aus­ge­fal­len. Denn auch wenn sie sich von vorn­her­ein als Allein­ei­gen­tü­me­rin ein­tra­gen las­sen hät­te, hät­te sie ihrem Mann einen fünf­zig­pro­zen­ti­gen Zuge­winn­aus­gleich zah­len müs­sen. Einen Ehe­ver­trag haben die bei­den wie die meis­ten Paa­re in Deutsch­land näm­lich nicht abgeschlossen.

Der Ver­kauf

Die Ehe­frau kal­ku­liert ihre Mög­lich­kei­ten durch und stellt fest, dass sie sich die Unter­hal­tungs­kos­ten für das Haus nicht allei­ne leis­ten kann, wenn sie ihren Ex-Mann gleich­zei­tig mit einer so hohen Sum­me aus­zah­len muss. Die bei­den über­le­gen, wel­che ande­ren Mög­lich­kei­ten sie haben. Eine Tei­lung der Immo­bi­lie in zwei eigen­stän­di­ge Wohn­ein­hei­ten, von denen jeder eine behält, ist durch den Schnitt des Hau­ses nicht möglich.

Die bei­den über­le­gen kurz, die Immo­bi­lie zu ver­mie­ten und sich die Miet­ein­nah­men zu tei­len, ent­schei­den sich dann jedoch dafür, das Haus zu ver­kau­fen und so wei­te­re Strei­tig­kei­ten zu ver­hin­dern. Für den Ver­kauf der Immo­bi­lie enga­gie­ren die bei­den einen Mak­ler, der ihnen bei der Suche nach einem neu­en Besit­zer hilft und es schafft einen Preis aus­zu­han­deln, der noch über der Wert­ein­schät­zung des Gut­ach­ters liegt. Der Gewinn wird zwi­schen den bei­den Ex-Part­nern aufgeteilt.

Die Ände­rung des Grundbucheintrags

Die bei­den set­zen mit dem neu­en Eigen­tü­mer einen Kauf­ver­trag auf, den sie sich nota­ri­ell beur­kun­den las­sen. Anschlie­ßend wird eine Grund­buch­än­de­rung bean­tragt und die bei­den wer­den als Eigen­tü­mer aus­ge­tra­gen. Bei der neu­en Käu­fe­rin han­delt es sich um eine allein­er­zie­hen­de Mut­ter mit zwei fast erwach­se­nen Kin­dern. Sie wird allei­ne ins Grund­buch ein­ge­tra­gen und hat nicht zu befürch­ten, im Fal­le einer Schei­dung das Haus zu verlieren.

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie ihr Haus nach einer Tren­nung ver­kau­fen sol­len? Wir bera­ten Sie ger­ne zu Ihren Möglichkeiten.

Foto: ©Mukhina1